
Der Stuhl der Königin ist genauso groß wie der Stuhl der Frau, die auf der Straße übernachtet, weil sie kein Zuhause hat. Das ist keine Höflichkeit. Das ist die ganze Regel.
Alle erhalten ihren Stuhl mit der Geburt. Er gehört zu ihnen wie ihr Schatten.
Jemand stellt sich auf den Stuhl. Jetzt schaut er auf alle herunter. Sein Stuhl ist nicht größer geworden. Er steht nur darauf.
Jemand zieht drei Stühle zu sich heran und legt die Arme darüber. Zwei bleiben leer, obwohl sie eigentlich besetzt sind.
Jemand sagt zu seinem Nebensitzer: Dieser Stuhl ist meiner. Derjenige steht auf. Er hat es nicht anders gelernt.
Jemand setzt sich gegen den Willen eines anderen auf dessen Schoß.
Jemand hat eine Liste, wer einen Stuhl bekommt. Sein eigener steht schon da. Er kommt in seiner Liste gar nicht vor.
Und jemand redet so laut, dass die anderen aufhören zu reden. Er hat niemandem den Stuhl weggenommen.
An einer Stelle des Tisches fehlt ein Stuhl ganz. Derjenige, der darauf gehört, steht in keiner Liste.
Ein Stuhl steht so weit hinten, dass niemand hört, was von dort gesagt wird.
Jemand sitzt am Tisch aber darf nicht mitreden, was auf den Tisch gehört.
Über jemanden wird gesprochen, als wäre sein Stuhl leer. Er hört alles.
Jemand wird an seinem Stuhl festgehalten. Aufstehen ist nicht vorgesehen.
Jemand fragt, ob sein Stuhl morgen noch da ist. Es antwortet niemand.
Jemand trägt die Verantwortung. Die ganze Zeit. Für alle. Sein Stuhl steht die ganze Zeit leer.
Kein einzelner Mensch hat das so heute aufgebaut. Die Stühle stehen so, weil sie gestern schon so standen. Und umstellen wäre aufwendig.
Ein neuer Stuhl rückt in eine frei gewordene Lücke oder in eine andere Lücke. So wie die Stühle heute stehen.
Wer auf seinem Stuhl steht, sieht das nicht. Von oben sehen alle klein aus.
Der Stuhl heißt Würde.
Das obige Bild wurde mit KI in Anlehnung an das Gleichnis -in Form eines Prosagedichts -erzeugt.